Globalklang Künstlerverzeichnis

Maryam Akhondy

Maryam Akhondy & Banu
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Die
Geschichte der iranischen Musik gehört zu der mehr als zweitausend
Jahre alten Zivilisation eines grossen Landes mit verschiedenen Völkern
und einer wechselvollen Vergangenheit. Diese Musik erzählt uns von den
Kämpfen, den zerschlagenen Revolutionen, von der Liebe und den damit
verbundenen Schmerzen und Freuden.
Durch religiöse Repressionen war Musik lange Zeit auf den privaten
Rahmen beschränkt, da das öffentliche Musizieren selbst für Männer
verboten war. Die einzige Ausnahme bildeten die sogenannten Tazieh, die
religiösen Singspiele.
Maryam Akhondy gehört zur jüngeren Generation der Virtuosinnen des klassischen persischen Gesangs.
1957 in Teheran geboren, wurde sie Anfang der siebziger Jahre von dem
berühmten Schauspieler Ostad Esmail Mehrtasch entdeckt und studierte in
der Folgezeit an der Akademie der schönen Künste in Teheran
Theaterwissenschaft. Ausserdem wurde sie von so bedeutenden Lehrern wie
Ostad Abdollah Dawami und Ostad Nasrollah Nasehpur im klassischen
Gesang unterrichtet und lernte radif, die Ordnung und Systematik
persischer Musik.
1986 kam Maryam Akhondy nach Deutschland, weil die politische Situation
im Iran eine Karriere als Vokalistin unmöglich machte. Seither hat sie
mit verschiedenen klassischen iranischen Musikgruppen gearbeitet, das
iranische Musical "ANDARUNI" geschrieben und ist eine international
gefragte Solistin.
Mit diesem iranischen Singspiel erinnerte sie an eine kaum bekannte
persische Musik, die ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt
und deshalb auch nicht in Konzertsälen zu hören war. ANDARUNI (was
wörtlich übersetzt "von innen" heißt, aber auch den intimsten, nur der
Familie vorbehaltenen Teil der Wohnung bezeichnet) erzählte von den
alltäglichen Erlebnissen und Sorgen der Menschen: von den
Kaffeehaus-Gesprächen der Männer, lautstarken Ehestreitigkeiten,
prahlenden Nachbarn und betrügerischen Basarhändlern – das alles aber
mit einem deutlich erkennbaren Augenzwinkern vorgetragen und mit einer
gehörigen Portion Humor gewürzt. ANDARUNI war eine Art Musical mit bis
zu 100 Jahre alten Versen und Melodien, passenden Kostümen und einer
gewollt überpointierten Theatralik. Maryam Akhondy brachte das Stück in
Paris, Wien, Kopenhagen, Hamburg, Kiel, Frankfurt und Köln auf die
Bühne.
Weiterhin war sie jahrelang Sängerin bei der international bekannten
"SCHÄL SICK BRASS BAND", mit der sie zwei CD's eingespielt hat, die
beide auf den vorderen Plätzen der europäischen World-Music-Charts
waren. Wenn es ihre Zeit erlaubt, tritt sie noch immer als Gastsängerin
mit dieser interantional erfolgreichen Gruppe auf.
Zur Zeit leitet Maryam zwei sehr unterschiedliche Projekte: zum einen
das klassische ENSEMBLE BARBAD, zum anderen die weibliche Vokalgruppe
BANU.
Banu
weibliche Vokal-Gruppe
In Ländern wie dem Iran ist der Auftritt von Künstlerinnen mit grössten
Schwierigkeiten verbunden. Die religiöse Repression hat
jahrhundertelang selbst Männern das Musikmachen verboten. Nur bei
religiösen Singspielen, Tazieh genannt, war das später möglich.
Den Gesang der Frauen zu hören, war den Männern untersagt. Gesungen
wurde deshalb nur in privater Sphäre, wenn Frauen allein oder unter
sich waren: am Kindbett, bei der Haus- und Feldarbeit, am Teppichrahmen
oder bei reinen Frauenfesten.
Maryam Akhondy, sonst eine anerkannte Interpretin rein klassischer
persischer Kunstmusik, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die alten
Lieder wieder zum Leben zu erwecken.
Zusammen mit ihrer Gesangsgruppe - musikbegeisterte Exiliranerinnen,
die heute in Deutschland leben - möchte sie auch den persischen Frauen
eine Stimme geben, die auf den Bühnen der Konzertsäle und
Musikfestivals bisher nicht mit ihren Liedern präsent waren. Mit
Melodien und Texten, in denen Frauen wieder selbst vom Leben erzählen -
von harter Arbeit aber auch fröhlichen Festen, von grosser Trauer aber
auch bedingungsloser Liebe.
BANU (das persische Wort für vornehme Dame) ist, trotz aller
farbenfroher Gewänder, keine pittoreske Folkloregruppe. Die Sängerinnen
verstehen sich vielmehr als musikalische Erforscherinnen der
verschiedenen Regionen und Ethnien des Iran - mit besonders neugierigen
Blick auf die Gesangskultur der Frauen.
Die A-Capella-Gruppe besteht aus 6-12 Frauen.