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Die samische Sängerin Mari Boine gehört zu den weltweit bekannten Vokal-Akrobatinnen. Aber wer kennt Ulla Pirttijärvi aus Utsjoki im äußersten Norden Finnlands nahe am Polarkreis? Dabei hat sie schon 16-jährig mit Mari Boine gearbeitet!
Die Joiksängerin Ulla Pirttijärvi scheint jeden Vokal,
jedes Wort, jede Liedzeile aufs Intensivste einzusaugen, bevor sie
diese wieder von sich gibt. Für den darunter fließend-treibenden Sound
sorgt Frode Fjellheim, der diese archaische Gesangstechnik mit
sensiblen Beats und Samples unterlegt und so eine Auffrischung des
uralten Joiks garantiert.
Der Joik ist der traditionelle samische Gesang aus der Zeit, als die
Samen noch ihre eigenen Siedlungen hatten. Er ist Bestandteil des
schamanischen Glaubens. Wichtig ist: man joikt nicht über etwas. Man
joikt die Dinge selbst, so dass sie anwesend sind. Der Neuschnee kommt
mit dem Joik oder ein bestimmter Vogel sitzt vor einem. Nicht real,
sondern in seiner Wesenhaftigkeit. Man besingt keine Liebesgeschichte
in ein paar Strophen, sondern das Gefühl der Liebe und des
Verliebtseins soll geweckt und wiedergegeben werden. Aus dem Gefühl der
Langeweile wird vielleicht ein Joik der Langeweile oder aus dem Brausen
des Windes ein Wind-Joik. Ein Joik hat keinen langen Text. Man kann
auch ohne jeden Text joiken, einfach nur mit dem Klang der Stimme.
Traditionell wird der Joik nur gesungen und höchstens von einer Trommel
bei bestimmten Zeremonien begleitet. In den 70er und 80er Jahren wurden
von den jungen Sami immer mehr Instrumente wie Gitarre, Bass und
Schlagzeug eingesetzt. Ulla Pirttijärvi kommt es jedoch darauf an, den
Joik in seiner Ursprünglichkeit zu bewahren, ihn nicht den Instrumenten
unterzuordnen und mit der Stimme frei zu entwickeln.